Fast jede Anfrage, die bei mir in Schweich eingeht, enthält irgendwo diesen Satz: „Wir haben noch keine Gitarre – welche sollen wir kaufen?“ Die gute Nachricht: Die Antwort ist einfacher, als das Internet glauben macht. Die wichtigste Regel lautet: Die richtige Anfängergitarre ist die, auf der du die Musik spielen kannst, die du wirklich hörst – in einer Größe, die zu deinen Händen passt, und in einer Qualität, die dich nicht ausbremst.
Erst die Musik, dann das Instrument
Der häufigste Fehler beim ersten Gitarrenkauf ist, das Instrument nach dem Preis oder nach der Empfehlung eines Verwandten auszusuchen – und nicht nach der Musik, die man eigentlich spielen will. In meinem Unterricht arbeiten wir von der ersten Stunde an mit Songs, die dir etwas bedeuten. Wenn diese Songs von Ed Sheeran oder Johnny Cash stammen, ist eine Westerngitarre mit Stahlsaiten die logische Wahl. Wenn du Metallica, Green Day oder Blues hörst, führt kein Weg an der E-Gitarre vorbei. Und wer klassische Stücke, Fingerstyle oder Liedbegleitung mit weichem Klang mag, ist mit einer Konzertgitarre mit Nylonsaiten gut beraten.
Warum das so wichtig ist: Motivation entsteht, wenn das, was du übst, nach dem klingt, was du hören willst. Ein Jugendlicher, der Rocksongs liebt, aber auf einer Konzertgitarre anfangen muss, verliert oft nach wenigen Monaten die Lust – nicht, weil Gitarre schwer ist, sondern weil der Klang nicht passt.
Konzertgitarre, Westerngitarre, E-Gitarre – die Unterschiede
Konzertgitarre (Nylonsaiten)
Weiche Saiten, breiter Hals, warmer Klang. Die Nylonsaiten sind für Kinderfinger am angenehmsten, und das Instrument gibt es in allen Größen von 1/4 bis 4/4. Ideal für Kinder im Grundschulalter, für klassische Musik, Liedbegleitung und alle, die einen sanften Einstieg wollen. Nachteil: Pop- und Rocksongs klingen darauf nicht so, wie sie im Original klingen.
Westerngitarre (Stahlsaiten)
Der typische Singer-Songwriter-Sound: brillant, laut, durchsetzungsfähig. Stahlsaiten sind für Anfänger anfangs etwas härter für die Fingerkuppen – dazu mehr in meinem Artikel über Fingerschmerzen beim Gitarre lernen. Für Jugendliche und Erwachsene, die Pop, Folk, Country oder Lagerfeuermusik spielen wollen, meist die beste Wahl.
E-Gitarre
Entgegen einem hartnäckigen Mythos ist die E-Gitarre nicht schwerer zu lernen als eine Akustische – im Gegenteil: dünnere Saiten, niedrigere Saitenlage, schmalerer Hals. Wer Rock, Metal, Blues oder Indie hört, sollte direkt mit der E-Gitarre anfangen. Du brauchst zusätzlich einen kleinen Verstärker oder ein Übegerät mit Kopfhörer. In meinem Studio in Schweich stehen Verstärker und Monitoring bereit, sodass du im Unterricht mit Druck und Dynamik spielen kannst – zu Hause reicht ein kleiner Übungsamp.
Die richtige Größe – besonders bei Kindern
Bei Kindern ist die Größe wichtiger als alles andere. Eine zu große Gitarre zwingt zu einer verkrampften Haltung, die linke Hand erreicht die Griffe nicht, und das Kind gibt auf – nicht aus Mangel an Talent, sondern weil das Instrument nicht passt. Als grobe Orientierung:
- 1/4-Gitarre: etwa 4 bis 6 Jahre, Körpergröße bis ca. 1,10 m
- 1/2-Gitarre: etwa 6 bis 8 Jahre, bis ca. 1,30 m
- 3/4-Gitarre: etwa 8 bis 11 Jahre, bis ca. 1,50 m
- 7/8- oder 4/4-Gitarre: ab etwa 11 bis 12 Jahren bzw. ab ca. 1,50 m
Diese Tabellen sind nur ein Anhaltspunkt. Entscheidend sind Armlänge und Handgröße – deshalb schaue ich mir das im ersten Telefonat und in der ersten Stunde gemeinsam mit dir an. Bitte kauf für ein Kind nicht „auf Zuwachs“: Eine passende 3/4-Gitarre, aus der es in zwei Jahren herauswächst, ist besser als eine zu große 4/4, mit der es zwei Jahre kämpft. Gebrauchte Kindergitarren in gutem Zustand sind dafür eine sehr sinnvolle Lösung.
Wie viel Geld ist sinnvoll?
Die ehrliche Antwort: weniger, als viele befürchten – aber mehr als die billigste Gitarre aus dem Supermarkt. Instrumente unter der 100-Euro-Marke haben häufig eine hohe Saitenlage, verstimmen sich ständig und klingen dumpf. Das ist für Anfänger gefährlich, weil sie sich für etwas die Schuld geben, das am Instrument liegt. Im Bereich zwischen etwa 150 und 350 Euro gibt es heute bei allen drei Gitarrentypen Instrumente, die sauber verarbeitet sind, die Stimmung halten und lange Freude machen. Mehr auszugeben ist schön, aber für den Start nicht nötig.
Wichtiger als der Preis ist das Setup: Eine gut eingestellte 200-Euro-Gitarre ist angenehmer zu spielen als eine schlecht eingestellte für 800 Euro. Saitenlage, Halskrümmung und Bundreinheit schaue ich mir im Unterricht an – und oft lässt sich mit kleinen Anpassungen viel erreichen. Equipment-Pflege und Setup gehören bei mir ganz selbstverständlich zum Unterricht dazu.
Welches Zubehör brauchst du wirklich?
Für den Start reicht eine kurze Liste: ein Stimmgerät (Clip-Tuner oder App), eine gepolsterte Tasche, ein Ersatzsaitensatz und ein paar Plektren in mittlerer Stärke. Für die E-Gitarre kommen ein Kabel und ein kleiner Übungsverstärker dazu – und ein Gurt, sobald du im Stehen spielst. Ein Fußbänkchen oder eine Beinauflage hilft Kindern und Konzertgitarristen bei der Haltung.
Was du nicht brauchst: ein Effektboard, teure Kabel, ein zweites Instrument „für unterwegs“ oder die Signature-Gitarre deines Idols. Das kommt vielleicht später – wenn du weißt, was du wirklich spielst. Wie du dein Instrument von Anfang an in gutem Zustand hältst, zeige ich dir im Unterricht, unter anderem mit den Pflegewerkzeugen von Guitarstix, die ich selbst seit Jahren nutze.
So findest du deine erste Gitarre – Schritt für Schritt
Eine kurze Anleitung, um die passende Anfängergitarre auszuwählen.
Musik festlegen
Schreib drei bis fünf Songs auf, die du unbedingt spielen willst. Sie bestimmen den Gitarrentyp: Nylon für Klassik und weiche Liedbegleitung, Stahlsaiten für Pop und Folk, E-Gitarre für Rock, Blues und Metal.
Größe bestimmen
Bei Kindern die Körpergröße und Armlänge als Ausgangspunkt nehmen (1/2, 3/4 oder 4/4). Bei Erwachsenen ist in der Regel eine 4/4-Gitarre richtig; sehr kleine Hände profitieren von einer schmaleren Halsform.
Budget festlegen
Für ein verlässliches Einsteigerinstrument ungefähr 150 bis 350 Euro einplanen. Gebrauchte Gitarren in gutem Zustand sind eine sehr gute Alternative – besonders bei Kindergrößen.
Anspielen oder beraten lassen
Wenn möglich im Fachgeschäft anspielen: Hält die Gitarre die Stimmung? Liegt die Saitenlage niedrig? Fühlt sich der Hals angenehm an? Unsicher? Dann frag mich vor dem Kauf – im ersten Telefonat beraten wir das gemeinsam.
Grundzubehör besorgen
Stimmgerät, Tasche, Ersatzsaiten, Plektren – bei E-Gitarre zusätzlich Kabel und kleiner Übungsverstärker. Mehr ist für den Start nicht nötig.
Häufige Fragen zu „Welche Gitarre für Anfänger“
Soll mein Kind mit Konzertgitarre anfangen, auch wenn es Popmusik mag?
Im Grundschulalter ja, weil Nylonsaiten die Finger schonen und Konzertgitarren in kleinen Größen gut verfügbar sind. Ab etwa 10 bis 12 Jahren kann der Wechsel auf Western- oder E-Gitarre sinnvoll sein – das besprechen wir im Unterricht, sobald es passt.
Ist die E-Gitarre für Anfänger schwerer als die Akustikgitarre?
Nein. Dünnere Saiten, niedrigere Saitenlage und ein schmalerer Hals machen die E-Gitarre für viele Anfänger sogar leichter. Wer Rock oder Metal hört, sollte direkt damit anfangen.
Wie viel sollte eine Anfängergitarre kosten?
Etwa 150 bis 350 Euro reichen für ein sauber verarbeitetes Instrument, das die Stimmung hält. Gitarren unter 100 Euro bremsen Anfänger häufig durch schlechtes Setup aus.
Kann ich eine gebrauchte Gitarre kaufen?
Ja, das ist oft sogar die beste Wahl – vor allem bei Kindergrößen, aus denen man schnell herauswächst. Achte auf gerade Hälse, intakte Mechaniken und keine Risse. Im Zweifel bring sie mit in die erste Stunde, ich schaue sie mir an.
Brauche ich die Gitarre schon vor der ersten Stunde?
Idealerweise ja, damit wir direkt loslegen können. Wenn du noch unsicher bist, welche, warte auf das erste Telefonat – ich berate dich ehrlich, bevor du Geld ausgibst.